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NACH DER KATASTROPHE

Der Wirbelsturm «Matthew» verwüstet Haiti

Story by Glückskette October 31st, 2016

Anfang Oktober 2016 ist ein verheerender Hurrikan über Haiti hinweggefegt und hat vor allem im Südwesten der Insel Tod und Verwüstung hinterlassen. Die Menschen hier haben alles verloren: Ihre Häuser wurden massiv beschädigt oder zerstört, die Felder und damit die Ernten vernichtet und die Versorgung mit sauberem Wasser ist zusammengebrochen. Den Überlebenden fehlt es an Nahrungsmitteln. Zudem droht eine Choleraepidemie.

1,4 Millionen Menschen brauchen dringend Hilfe, darunter fast 600‘000 Kinder.

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warten auf hilfe

Die 50-jährige Nancy Josef hatte zusammen mit ihrem Mann einen Krämerladen in der Küstenstadt Port Salut, einem bisher fast idyllischen Touristenort mit einem der schönsten Strände des Landes. Am Tag des Hurrikans floh die Frau mit ihren fünf Kindern aus dem Haus, nachdem eine Bekannte sie per Telefon informiert hatte, dass das Unwetter heftig werde. Ihr Mann wollte zuerst nicht weggehen und ist erst später nachgekommen. Nur so haben sie überlebt. Jetzt steht Nancy im Regen in den Ruinen ihres Hauses, vor dem Nichts. Von ihrem Haus ist nur ein einziger Raum stehen geblieben und sie kocht behelfsmässig unter einer Plastikblache. Die Frau ist verzweifelt. Seit dem Sturm seien viele Leute hier vorbeigekommen und hätten davon gesprochen, dass sie in kurzer Zeit Hilfe bekommen würden, aber davon hätten sie immer noch nichts gesehen.

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«Wir haben nicht einmal zu essen. Für das Essen der Kinder gehe ich zu den Nachbarn und leihe mir Nahrungsmittel aus. Ich sehe keinen Ausweg.»

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Die UNO koordiniert zusammen mit den lokalen Behörden die Einsatzorte für die internationale Hilfe. Aber das Band der Zerstörung ist immens gross und die Bedürfnisse unermesslich. Noch immer sind viele Gebiete im Südwesten der Karibikinsel nicht zugänglich. Neun unserer Partnerhilfswerke leisten über ihr lokales Netzwerk Nothilfe vor Ort, teilweise per Helikopter in einige der abgelegenen Orte in den Bergen oder mit Booten der Küste entlang.

Die näherkommende Regenzeit verheisst auch nichts Gutes für die Menschen ohne Obdach und für die leidlich reparierten Strassen, auf denen die Hilfe vorankommen soll.

HILFSWERKE BEFÜRCHTEN HUNGERSNOT

Nicht nur im stark betroffenen Südwesten sondern auch in anderen Teilen des Landes wurden durch Überschwemmungen die Ernten und Nahrungsmittelvorräte vernichtet. Kurz darauf sind die Nahrungsmittelpreise auf dem Markt angestiegen, aber Importprodukte können sich die Mehrheit der Haitianer nicht leisten. Erste Nahrungsmittelhilfen erreichen die Menschen im stark verwüstetem Südwesten Haitis. Aber es reicht nicht für alle und man befürchtet, dass Hunger in Gewalt umschlagen könnte. Mittelfristig droht eine Hungersnot.

Medair verteilt Hygienekits

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Zugang im Südwesten ist teilweise nur über den Wasserweg möglich. Hier erreichen Hilfslieferungen das Dorf Tiburon.

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ADRA verteilt Nahrungsmittel

Das abgelegene Dorf Roche-à-Bateaux ist nur per Helikopter erreichbar und wird von ADRA mit Nahrungsmitteln, Hygienkits und Wasserreinigungsutensilien beliefert.

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Glück im Unglück

Die 22-jährige Sarah Saint-Pierre wohnt 50 Kilometer südwestlich der haitianischen Hauptstadt. Hier, in den Hügeln von Léogane, lag 2010 das Epizentrum des schweren Erdbebens. Sie, ihre drei Geschwister und Eltern haben damals alles verloren.

Dank den Spendengeldern, die wir damals sammelten, und der Unterstützung des Schweizerischen Roten Kreuzes haben sie wieder ein Haus, das dem Wirbelsturm «Matthew» standgehalten hat.

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Sarah hatte grosse Angst während des Sturms und verliess das Haus, weil sie glaubte, dass das Holzhaus bei diesem tosenden Sturm wegfliegen würde. Erst nach der Rückkehr sah sie, dass das Haus standgehalten hat. Sie erklärt, sie werde aber immer Angst haben, auch bei einem nächsten Sturm. Diese Katastrophe ist ihr wie das Erdbeben in die Knochen gefahren. Aber sie ist froh, dass das Haus standgehalten hat:

«Wir leben immer mit der Hoffnung. Nach jeder Katastrophe müssen wir einfach versuchen weiterzuleben. Und einfach weiter hoffen…»
Die Region in den Hügeln war nicht ganz so exponiert wie der Südwesten der Insel. Das Haus und die abgedeckte Latrine stehen noch, aber der Gemüsegarten ist zerstört, ebenso ein hölzerner Anbau, in dem sechs weitere Angehörigen lebten. Deshalb leben momentan zwölf Personen auf 29 Quadratmetern im Haus, das 2010 vom Schweizerischen Roten Kreuz wieder aufgebaut wurde.

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Die GLÜCKSKETTE UND IHRE PARTNER IN HAITI

Nach dem Wirbelsturm werden in der ersten Phase der Nothilfe Notunterstände erstellt und Trinkwasser sowie Hilfsmittel für provisorische Reparaturen an Häusern verteilt. Zudem wird die Bevölkerung dabei unterstützt, Krankheiten aufgrund von Wasserverschmutzung zu vermeiden.

Haiti ist für uns und andere Schweizer Hilfswerke ein sehr bekanntes Tätigkeitsfeld, welches es erlaubt, schnell und effizient zu helfen. Nach dem Erdbeben im Jahr 2010 haben wir 84 Hilfsprojekte mit 61,8 Millionen Franken unterstützt. Es wurden 2700 Häuser repariert oder neu erstellt, 3300 Latrinen gebaut und 2500 Wasserreservoirs errichtet.

Footnote: Text und Fotos von Priska Spörri/Glückskette und Fotos Verteilung Nath Faveau/Medair und ADRA
Les Cayes, Département Sud, Haiti