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Marisela steht wieder auf eigenen Beinen

Ein Projekt von Caritas für intern Vertriebene in Kolumbien

Story by Glückskette November 27th, 2015

«Jeder Rappen zählt» sammelt dieses Jahr für Jugendliche in Not in der Schweiz und im Ausland. Kolumbien ist geprägt vom jahrzehntelangen Konflikt zwischen der Regierung und Rebellengruppen. Dabei geraten Jugendliche oft ins Visier der Konfliktparteien, welche vor allem auf dem Land aktiv sind. Viele junge Menschen fliehen auf der Suche nach einem sichereren Leben in die Städte und müssen sich dort eine neue Existenz aufbauen.

Die 25-jährige Marisela schaut zuversichtlich in die Zukunft und zeigt uns stolz ihren eigenen Arbeitsplatz im Kosmetiksalon. Sie hat sich in Bogotá wieder eine Existenz aufgebaut dank einer Ausbildung, welche von Caritas Schweiz finanziell unterstützt wird. Während zwei Jahren durchlief sie die Ausbildung zur Kosmetikerin/Coiffeuse mit Vertiefung Buchhaltung. Vor zwei Monaten hat sie sich in einem Beautysalon eingemietet, wo sie nun ihren Lebensunterhalt verdient.

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«Ich habe mir mit der Ausbildung zur Kosmetikerin einen Lebenstraum erfüllt und bin sehr dankbar für die Unterstützung, welche mir das ermöglicht hat.»

Die Ausbildung zur Kosmetikerin kostet rund 400 Franken. Dazu gehören 20 Franken für die Arbeitsschürze oder 45 Franken für den Föhn, Geld für die Anreise und das Essen, um nur einige Ausgaben zu nennen. Neben fachlichem Wissen lernen die jungen Menschen hier auch Pünktlichkeit, Ordentlichkeit oder Sparen.

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Weil Marisela ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen hat, ist sie sogar in das Förderprogramm eines grossen internationalen Kosmetikkonzerns aufgenommen worden, in welchem begabte Kosmetikerinnen weiter ausgebildet werden.

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Marisela denkt nicht gerne über ihre Vergangenheit nach: sie vermisst das frühere und geborgene Leben auf dem Land schmerzlich. Ihre Familie ist an den neuen Lebensumständen in der Stadt zerbrochen und ihre Kinder leben momentan bei den Schwiegereltern. Aber die junge Frau hofft, dass sich auch dieser Traum noch erfüllen lässt, und sie und ihre Kinder bald wieder vereint ein besseres Leben führen können.

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Dafür arbeitet sie hart und lebt mit einer Arbeitskollegin noch immer in dem kleinen einfachen Haus, welches sich die Familie von den ersten Einkünften hat. Von diesem Slum am Rande der Stadt fährt sie am morgen um 6 Uhr eine Stunde an ihren Arbeitsplatz und kommt am Abend gegen 20 Uhr wieder zurück.

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Caritas Schweiz arbeitet in Bogotá mit FAMIG (Fundación Atención al Migrante), einer Stiftung der Diözese, die sich seit 20 Jahren in der Hauptstadt Kolumbiens um intern vertriebene Menschen kümmert und ihnen Zugang zu einer würdevollen und sicheren Zukunft verschafft. Hier können Betroffene ihre wichtigsten Bedürfnisse in der ersten Phase nach der Flucht decken, ihre traumatischen Erlebnisse verarbeiten und ihre Rechte als Vertriebene beim Staat einfordern. FAMIG hilft den Menschen, eine neue und nachhaltige Existenz aufzubauen, indem die meist aus ländlichen Kontexten stammenden Kleinbäuerinnen und Kleinbauern durch eine Aus- oder Weiterbildung oder auf ihrem Weg in die Selbständigkeit unterstützt werden.

In Kolumbien leben gemäss offiziellen Zahlen fast 6 Millionen Menschen als intern Vertriebene. Über 350‘000 sind beim UNHCR als Flüchtlinge im Ausland registriert. Die Dunkelziffer ist sicherlich noch einiges höher. Jedes Jahr fliehen bis zu 200‘000 Menschen vom Land in die Städte. Deshalb leben rund 74 % der 48 Millionen Einwohner Kolumbiens in den Ballungsgebieten und Städten. Noch immer lebt rund ein Viertel der Bevölkerung unter dem vom Staat bestimmten Mindeststandard.

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Die meisten der vertriebenen Menschen treffen ohne viel Hab und Gut – sie mussten oft Hals über Kopf flüchten – in einem der Busbahnhöfe in den Städten ein. Dort betreibt FAMIG eine erste Anlaufstelle für diese Menschen und informiert über die staatlichen Leistungen und wo sie diese beziehen können. In einer Art Notschlafstelle finden jene, die noch nicht weiter wissen, eine temporäre Unterkunft mit Unterstützung im Bereich Kost, Logis oder rechtlichen Aufgaben.

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Wenn die Migranten und Migrantinnen wieder einigermassen Fuss gefasst haben, können sie in einem Weiterbildungszentrum technische Berufsbildungen in den Bereichen Coiffeur, Bäckerei, Schneiderei und Informatik absolvieren.

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Beispiele von Jugendlichen, die dank der Unterstützung wieder Fuss fassen, gibt es viele. Francy kam als 23-Jährige mit ihren Brüdern am Busbahnhof in Bogotá an. Sie mussten fliehen, weil die Guerilla die jungen Männer in ihre Reihen rekrutieren wollte. Die Neuankömmlinge liessen sich als intern Vertriebene registrieren und lebten fortan bei ihrer Mutter, welche bereits früher in die Stadt geflohen war. Nach einer Ausbildung zur Schneiderin wird Francy ihre Mutter im familiären Schneiderbetrieb unterstützen.

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Die beiden Schwestern Maxleidy und Mirta wurden im Alter von 21 beziehungsweise 22 Jahren vertrieben. Sie leben gemeinsam mit ihren Familien in einem Aussenquartier und besuchen ebenfalls die Ausbildung zur Schneiderin, damit sie sich in Zukunft den Lebensunterhalt selbst verdienen können.

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Spenden Sie jetzt für «Jeder Rappen zählt» und unterstützen Sie Jugendliche in Not wie Marisela oder Francy aus Kolumbien.

Footnote: Text und Fotos von Priska Spörri/Glückskette 2015
Kolumbien
Vielen Dank für Ihre Spende