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Hermes tanzt in ein neues Leben

Ein Projekt von terre des hommes schweiz für Jugendliche in Kolumbien

Story by Glückskette November 27th, 2015

«Jeder Rappen zählt» sammelt dieses Jahr für Jugendliche in Not in der Schweiz und im Ausland. Kolumbien ist geprägt vom jahrzehntelangen internen Konflikt zwischen der Regierung und Rebellengruppen. Das Leben der vom Land vertriebenen Menschen endet oft in den Armenvierteln der Grössstädten. Dort landen viele Jugendliche wegen fehlender Perspektiven in gewalttätigen Banden und rutschen in die Kriminalität ab ohne Lebensalternativen.

Hermes hat sein Leben ganz dem Hip-Hop verschrieben: der 19-Jährige mit der «High Top Fade» Frisur und der Goldkette am Hals rappt und ist Leader einer Hip-Hop-Tanzgruppe. Dass er seine Liebe zur Musik ausleben kann, hat ihm eine neue Lebensperspektive gegeben. Davon hätte er mit 13 Jahren noch nicht zu wagen geträumt. Damals war er ein rebellischer Jugendlicher, der mit sich, seiner Familie und der ganzen Umgebung im Clinch lag.

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Hermes verbrachte seine Kindheit in einem Armenquartier von Cali, der drittgrössten Stadt Kolumbiens. Die Stadt des Salsas. Die lebensfrohe Stadt der schönen, gesicherten, grünen Quartiere. Aber auch die Stadt mit Bandenkriegen in den Aussenquartieren. Cali ist geprägt durch den bewaffneten Konflikt im Land und die Machenschaften von Drogen- und Waffenhändlern.

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«Ich war ein Jugendlicher ohne Perspektiven, begann zu stehlen, hatte wenig Selbstvertrauen und lag ständig im Streit mit der Umwelt, weil ich mich nicht an die Regeln halten wollte».

Wie viele Jugendliche schmiss Hermes die Schule hin und begann, sich auf der Strasse herumzutreiben. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis er immer tiefer in die Jugendkriminalität abrutschen und in einer delinquenten Gruppe enden würde. Gerade noch rechtzeitig begegnete er den Sozialarbeitern der lokalen Stiftung Paz y Bien. Sie holten ihn von der Strasse und machten ihm klar, dass er etwas Besseres aus seinem Leben machen kann.

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In dem dreijährigen Programm werden die Jugendlichen von Tutoren begleitet. Diese Strassenarbeiter und Spezialisten haben zum Teil selber auf der Strasse gelebt und dieselben Erfahrungen hinter sich, wie die Jugendlichen, denen sie nun wieder auf die Beine helfen. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen lernen in der Gemeinschaft und mit regelmässigen Aktivitäten wieder Regeln und Grenzen zu respektieren, ihre Autonomie zu stärken und sich schliesslich mittels eines Lebensprojekts eine Zukunft aufzubauen. Paz y Bien wurde vor 20 Jahren von Ordensschwestern gegründet und besteht heute aus Fachleuten wie Psychologen, Sozialarbeitern und Lehrpersonen.

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«Das, was ich im Jugendhaus von Paz y Bien gelebt und gelernt habe, war sehr bedeutsam für mich. Ich habe heute meine eigene Tanzgruppe. Ich singe auf Englisch und tanze Hip-Hop».

Hermes hat das Programm, welches vom Schweizer Hilfswerk terre des hommes schweiz unterstützt wird, vor drei Jahren abgeschlossen und lernt im Moment dank eines Stipendiums Englisch am Kolumbianisch-Amerikanischen Institut. Er ist für viele Jugendliche im Quartier ein Vorbild und holt selber Jugendliche von der Strasse, wenn er sie in seine Tanzgruppe aufnimmt. Und Hermes hat noch grosse Träume: er lernt unter anderem Englisch, weil er hofft, sich in den USA zum Grafikdesigner ausbilden lassen zu können. Auch wenn er weiss, dass er dafür noch einige Jahre hart arbeiten muss.

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Aber auch der junge Rapper hat seine Vorbilder, so etwa den 40-jährigen John, der vor 15 Jahren einer der Mitinitianten der Jugendhäuser von Paz y Bien in Aguablanca, einem Armenviertel von Cali, war. Mit anderen Jugendlichen war auch er auf der Suche nach Alternativen zum sinnlosen und gewalttätigen Leben auf der Strasse. Er begann in der Organisation zu arbeiten, als das Schicksal zuschlug und er von einem Mitglied einer Jugendbande angeschossen wurde, überlebte, aber seither an beiden Beinen gelähmt im Rollstuhl sitzt.

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Dank der Unterstützung von Freunden und seinen Kollegen konnte er sein Leben weiterführen, den Hass überwinden und dem Täter in einem Zusammentreffen sogar vergeben. Dieser Wiedergutmachungs- und Versöhnungsprozess ist ein weiterer wichtiger Punkt des ganzen Programms auf dem Weg für ein friedliches Zusammenleben.

Heute arbeitet John auf der Verwaltung im Rathaus und hat daneben seine eigene Stiftung für Jugendliche, die bei ihm im Haus gemeinsam musizieren.

Spenden Sie jetzt für «Jeder Rappen zählt» und unterstützen Sie Jugendliche in Not wie Hermes aus Kolumbien.

Footnote: Text und Fotos von Priska Spörri/Glückskette 2015
Cali, Valle del Cauca, Kolumbien
Vielen Dank für Ihre Spende