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Doris kämpft für ihre Rechte

Ein Projekt von Solidar Suisse zur Förderung von Jugendlichen

Story by Glückskette November 19th, 2015
«Jeder Rappen zählt» sammelt dieses Jahr für Jugendliche in Not in der Schweiz und im Ausland. In dem von Gewalt geprägten zentralamerikanischen Land El Salvador haben es Jugendliche, und ganz besonders junge Frauen, ausserordentlich schwer. Sie sind in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens benachteiligt und oft häuslicher Gewalt ausgesetzt.

Die 18-jährige Silvia Doris Gómez aus Nuevo Porvenir, einer kleinen Gemeinde 70 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt San Salvador, ist Mitglied eines Jugend-Komitees, welches von Solidar Suisse gefördert wird.
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Solidar Suisse setzt sich mit lokalen Partnerorganisationen dafür ein, dass die Bedürfnisse von benachteiligten Gruppen berücksichtigt werden. Sie fördern Netzwerke von Jugendlichen und Frauen und bemühen sich darum, dass sich diese aktiv an der Entwicklung ihrer Gemeinden beteiligen können.

Doris wohnt mir ihrer Mutter, Grossmutter, einer Tante und deren 4-jährigen Sohn zusammen. Alle drei Frauen wurden von ihren Ehemännern verlassen und erhalten von ihnen keinerlei Unterstützung. Das ist leider keine Seltenheit in El Salvador.
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Nach Abschluss ihrer Matura wollte sie eigentlich an der Uni eine Ausbildung zur Kindergärtnerin machen. Da sie dafür jedoch in der Hauptstadt studieren müsste und ihr das Geld dazu fehlt, konzentriert sie sich zurzeit auf ihr Engagement im Jugend-Komitee von Ilobasco. Einmal in der Woche trifft sich die Gruppe und erarbeitet, zusammen mit einem Vertreter von Solidar Suisse oder einer lokalen Partnerorganisation, Vorschläge zur Jugendpolitik und zur Gewaltprävention für die lokalen Behörden. Die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung gestaltet sich jedoch nicht immer als einfach, da diese das Engagement der Jugendlichen oft nicht ernst nimmt.

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Die Mitglieder des Jugend-Komitees haben auch die Möglichkeit, an verschiedenen Workshops teilzunehmen, die von Solidar Suisse und ihren lokalen Partnerorganisationen organisiert werden. Dort lernen sie z.B. mit der Gewalt im Alltag umzugehen und Konflikte zu vermeiden, oder bearbeiten Themen wie Sexualität, Gleichstellung der Geschlechter, Rechte der Jugendlichen, Selbstwertgefühl und Zukunftsperspektiven. Das so erarbeitete Wissen teilen sie mit Jugendlichen aus ihren Dörfern, zum Beispiel im Rahmen von lokalen Jugendgruppen oder Freizeitaktivitäten.
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Doris’ grosse Leidenschaft ist das Tanzen und die Bühne. Darum hat sie sich entschlossen, eine Tanzgruppe zu gründen. Sie studiert Choreografien von traditionellen salvadorianischen Tänzen ein, schneidert passende Kostüme und führt die Tänze an Anlässen in der ganzen Region auf. An Wettbewerben hat die Gruppe schon verschiedenste Preise gewonnen. Darüber hinaus macht sie in der Theatergruppe von einem Freund mit.

Diese Freizeitaktivitäten sind sehr wichtig, da die Jugendlichen in der Freizeit oft auf der Strasse herumhängen. Das erhöht die Gefahr, dass sie von einer der beiden kriminellen Jugendbanden Barrio 18 oder Mara Salvatrucha 13 rekrutiert werden, die in El Salvador weit verbreitet sind und das Land kontrollieren und terrorisieren. Die Jugendbanden versprechen den Jugendlichen schnelles Geld und diese sehen oft keinen anderen Ausweg, als sich einer dieser kriminellen Banden anzuschliessen.
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Graffiti der Jugendband Mara Salvatrucha 13
Vor kurzem hat Doris ausserdem eine Ausbildung als Vermittlerin von sexuellen und reproduktiven Rechten abgeschlossen. In El Salvador ist Sexualität ein Tabu-Thema. Sexuelle Aufklärung findet so gut wie nicht statt, der Zugang zu Verhütungsmitteln ist für Jugendliche schwierig und Schwangerschaftsabbrüche sind grundsätzlich verboten.

El Salvador ist denn auch das Land mit der höchsten Rate von Teenagerschwangerschaften in ganz Lateinamerika: Fast 25 % der Frauen bekommen ihr erstes Kind vor ihrem 18. Geburtstag. Doris kennt viele Mädchen, die schon im Alter von 15 Jahren ihr erstes Kind bekamen, und meint:
«Die Tatsache, dass ich 18 bin und noch keine Kinder habe, ist in dieser Region ungewöhnlich.»
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Sexuelle Aufklärung ist deshalb umso wichtiger. Um das erworbene Wissen an die Jugendlichen in ihrem Dorf weiterzugeben, hat Doris eine Jugendgruppe gegründet, in der sich ungefähr 20 Jugendliche einmal pro Woche treffen. Doris gibt dort Workshops und diskutiert mit den anderen Jugendlichen über Themen, die sie besonders beschäftigen.

Doris’ grosses Ziel ist es, alle Jugendlichen in ihrem Dorf von der Strasse zu holen, weg von den Jugendbanden. Sie will sie über ihre Rechte aufklären und ihnen sinnvolle Freizeitaktivitäten bieten.
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Spenden Sie jetzt für «Jeder Rappen zählt» und unterstützen Sie Jugendliche in Not wie Doris aus El Salvador.
Footnote: Text und Fotos von Claudia Blaser/Glückskette
El Salvador
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