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David nimmt seine Zukunft in die Hand

Ein Berufsbildungsprojekt von Brücke • Le pont in El Salvador

Story by Glückskette November 19th, 2015

«Jeder Rappen zählt» sammelt dieses Jahr für Jugendliche in Not in der Schweiz und im Ausland. Mit den gesammelten Spendengeldern werden z. B. Programme gefördert, die Jugendlichen eine Berufsausbildung und somit den Einstieg ins Berufsleben ermöglichen.

Gerade in El Salvador wachsen viele Jugendliche in Angst und Not auf. Die tägliche Gewalt verwehrt ihnen ein normales Leben und die Aussicht auf eine erfolgreiche berufliche Zukunft. David ist einer der Jugendlichen, der von den Spenden von «Jeder Rappen zählt» profitieren könnte.

Seit seinem 8. Lebensjahr hilft der 20-jährige David Armando Cruz Alvarado seinem Stiefvater auf dem Feld. Die Schule verliess er nach Abschluss der 9. Klasse, denn für mehr fehlte der Familie schlicht das Geld.

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Wie viele Jugendliche in El Salvador wuchs David in einer Umgebung voller Armut und Gewalt auf. Der mit sieben Millionen Einwohnern kleinste Staat Zentralamerikas gilt als eines der gewalttätigsten Länder der Welt. Von Januar bis August dieses Jahres wurden durchschnittlich 17,5 Personen pro Tag ermordet. Der Hauptgrund für diese Gewalt sind kriminelle Jugendbanden, sogenannte Maras, die von Schutzgelderpressung, Drogenhandel und Waffenschmuggel leben.

Die Jugendbanden sind vor allem in Armenvierteln der Städte aktiv, verbreiten sich jedoch zusehends im ganzen Land. Die Jugendlichen, die oft aus zerrütteten Familienverhältnissen stammen, haben mit ihrer schlechten Schulausbildung und fehlender Berufsbildung oft keine Chance auf eine geregelte Arbeit und einen gerechten Lohn. Durch die fehlenden Zukunftsperspektiven sehen viele keinen anderen Ausweg, als sich einer kriminellen Jugendbande anzuschliessen, welche ihnen schnelles Geld und eine Art Ersatzfamilie verspricht.

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Um sich dieser Gewaltspirale entgegenzustellen, bietet Brücke • Le pont zusammen mit lokalen Partnerorganisationen Jugendlichen aus Armenvierteln im Grossraum der Hauptstadt San Salvador kurze, praxisorientierte Berufsbildungskurse an. Dank der Ausbildung und einer Arbeitsvermittlungsbörse erhalten die Jugendlichen Zugang zu Arbeit und Einkommen und somit eine Perspektive für ein Leben ausserhalb der Gewalt und Abhängigkeit der Jugendbanden.

Die Berufsbildungskurse dauern in der Regel nicht länger als sechs Monate. Da die Jugendlichen ihre Eltern finanziell unterstützen und oft auch schon eine eigene Familie mit Kindern ernähren müssen, wäre es für sie unmöglich, eine mehrjährige Berufsausbildung zu absolvieren. Darum ist es wichtig, dass sie nach spätestens sechs Monaten ins Berufsleben einsteigen können. Ausserdem ist bei längeren Ausbildungen die Gefahr gross, dass die Jugendlichen in der Zwischenzeit in einen anderen Stadtteil ziehen und die Ausbildung nicht abschliessen können. Aufgrund der Gewalt durch die Maras ist die interne Migration in El Salvador ein weit verbreitetes Phänomen. Wer von einer Bande bedroht wird oder aussteigen will, dem bleibt nur die Flucht in einen anderen Stadtteil oder eine andere Gegend El Salvadors.

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David ist einer von 475 Jugendlichen, die einen solchen Berufsbildungskurs absolvieren. Er lebt mit seiner Mutter, seinem Vater, drei Schwestern und den Grosseltern etwas ausserhalb von Soyapango. Dieses Gebiet im Grossraum der Hauptstadt wird von den beiden Jugendbanden Barrio 18 und Mara Salvatrucha 13 kontrolliert und terrorisiert.

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Die Familie lebt in äusserst bescheidenen Verhältnissen ohne Strom und fliessendes Wasser.

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Die Familienmitglieder bewirtschaften ein kleines Feld, wo sie je nach Jahreszeit Mais, Bohnen, Maniok, Avocado, Tomaten und Gurken anbauen. Weil ihnen das Land, auf dem sie leben, nicht gehört, müssen sie einen Teil der Ernte dem Landbesitzer abgeben. Der Rest der Ernte reicht oft nur zur Ernährung der Familie. Für den Verkauf auf dem Markt bleibt kaum etwas übrig. Darum arbeitet Davids Stiefvater zusätzlich als Wachmann und verdient so 240 US-Dollar im Monat. Dies entspricht nicht einmal dem Mindestlohn und muss trotzdem für die ganze Familie reichen.

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In den letzten vier Jahren arbeitete David vorwiegend auf dem Feld und nahm ab und zu Gelegenheitsjobs an, um zum Einkommen der Familie beizutragen. Ohne den Berufsbildungskurs von Brücke • Le pont hätte sich daran wohl nicht mehr viel geändert. Viele seiner ehemaligen Schulfreunde sind in der Zwischenzeit einer Jugendbande beigetreten, weil sie keine andere Möglichkeit sahen, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Doch dank einer Freundin, die ihn auf das Angebot aufmerksam gemacht hat, absolviert David zurzeit eine drei Monate dauernde Ausbildung in «Verkauf und Kundenbetreuung».

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David ist sehr dankbar für diese Chance und staunt darüber, was er in dieser kurzen Zeit schon alles gelernt hat:

«Ich entdecke Fähigkeiten in mir, von denen ich gar nicht wusste, dass sie in mir schlummern.»

In den Berufsbildungskursen erlernen die Jugendlichen nicht nur fachliches Wissen, sondern auch wichtige soziale Kompetenzen wie Verlässlichkeit, Teamarbeit und Stressbewältigung. Zudem gibt es spezielle Module zur Gewaltprävention und Konfliktlösung, in denen die jungen Leute lernen, mit Konflikten umzugehen, traumatische Erlebnisse zu verarbeiten und Gewalt vorzubeugen. Ein weiterer wichtiger Teil der Ausbildung ist die Vermittlung der Arbeitsrechte, damit die Jugendlichen ihre Rechte kennen und sich gegebenenfalls gegen ungerechte Anstellungsbedingungen wehren können.

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Davids Ziel ist es, nach dem Abschluss des Kurses eine Teilzeitstelle zu finden und gleichzeitig eine weiterführende Schule zu besuchen, um seinen Abschluss nachzuholen. Brücke • Le pont wird ihn bei der Arbeitssuche unterstützen. Eine seiner grossen Leidenschaften ist die Musik. Darum möchte er genug Geld sparen, um irgendwann ein eigenes Geschäft für Musikinstrumente zu eröffnen. Er ist sich bewusst, dass noch ein langer Weg vor ihm liegt, aber er ist voller Hoffnung:

«Ich weiss, dass ich mit viel Anstrengung, Arbeit und Bescheidenheit alle meine Ziele erreichen kann.»
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Spenden Sie jetzt für «Jeder Rappen zählt» und unterstützen Sie Jugendliche in Not wie David aus El Salvador.

Footnote: Text und Fotos © Claudia Blaser/Glückskette
El Salvador
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