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Bargeldhilfe für syrische Flüchtlinge im Libanon

Eine Fotoreportage aus dem palästinensischen Flüchtlingslager Shatila

Story by Glückskette May 27th, 2015

Flucht aus syrien

Rund vier Millionen Syrerinnen und Syrer haben bis im Mai 2015 aufgrund des langwierigen Bürgerkrieges ihr Heimatland verlassen und grösstenteils Zuflucht in den Nachbarländern gefunden. Über ein Drittel ist in den Nachbarstaat Libanon geflüchtet. Laut dem UNHCR sind aktuell rund 1,2 Millionen syrische Flüchtlinge im Libanon registriert, was einem Viertel der libanesischen Bevölkerung entspricht. Inoffiziell dürften es noch weitaus mehr sein.

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Tausende von ihnen haben sich im Flüchtlingslager Shatila im Süden Beiruts niedergelassen, in einem von zwölf offiziellen palästinensischen Flüchtlingslagern im Libanon. Shatila wurde 1949 vom Internationalen Roten Kreuz gegründet und schon vor der Ankunft der Flüchtlinge aus Syrien lebten hier mehr als 16‘000 Menschen auf nur einem Quadratkilometer.

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Durch die Neuankömmlinge aus Syrien wird die ohnehin schon beengte Situation noch schlimmer. Es ist nicht genügend Platz vorhanden, um alle Flüchtlinge unterzubringen. Darum leben viele Familien aus Syrien in nicht fertig gestellten Häusern oder in Zimmern ohne Fenster. Sonnenlicht ist ohnehin knapp in Shatila, das aus verschachtelten Häusern und vielen dunklen engen Gassen besteht: da das Lager nicht ausgeweitet werden darf, baut man eben in die Höhe.

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Von yarmouk nach shatila

Die Familie Al-Hawtari lebt seit zwei Jahren in Shatila. Mahmoud Salim und Sana Sami sind 2013 mit drei ihrer fünf Kinder aus Yarmouk, dem Palästinenserlager in Damaskus, geflüchtet. Seither leben sie ohne Privatsphäre in zwei kleinen, fensterlosen Zimmern. Ihren Wohnraum teilen sie mit einer jungen Syrerin, die darauf wartet, in unbestimmter Zeit ihrem Ehemann nach Deutschland folgen zu können, und ihrem 18 Monate alten Sohn.

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Die sieben syrischen Flüchtlinge wohnen, kochen, essen und schlafen auf engstem Raum.

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Die Familie konnte nicht viel mehr als die Kleider an ihrem Körper aus ihrem alten Leben retten. Mahmoud Salim ist auf illegale Gelegenheitsjobs auf dem Bau angewiesen, da es Palästinensern im Libanon offiziell verwehrt ist zu arbeiten. Damit verdient er jedoch bei Weitem nicht genug, um seine Familie versorgen zu können. Allein die Miete für die zwei Zimmer beläuft sich auf 300 Dollar pro Monat. Auch der Zustupf, den sie vom UNRWA (dem Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten) erhalten, reicht zum Leben nicht aus.

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Finanzielle unterstützung

Darum hat HEKS mit seiner lokalen Partnerorganisation Najdeh und der finanziellen Unterstützung der Glückskette ein Cash-Assistance-Projekt ins Leben gerufen, um 949 Flüchtlingsfamilien aus Syrien sowie 190 der bedürftigsten palästinensischen Gastfamilien zu helfen, die schon seit Jahren oder Jahrzehnten in Shatila leben. Die unterstützten Familien haben ein Tageseinkommen von weniger als sechs Dollar und haben bisher keine Unterstützung von anderen Organisationen erhalten.

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HEKS ist zurzeit das einzige ausländische Hilfswerk, das in Shatila aktiv ist. Dank dieses Projektes erhält jede unterstützte Familie aus Syrien monatlich einen Betrag von 100 Dollar und jede Gastfamilie einen Betrag von 50 Dollar, welcher auf einer Debitkarte gutgeschrieben wird. Mit der Unterstützung der Gastfamilien sollen die Spannungen zwischen den alteingesessen und den neu hinzugekommenen Familien gemindert werden, die sich auf solch engem Raum kaum vermeiden lassen.

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Um die Bargeldhilfe in Anspruch zu nehmen, kommt einmal im Monat das Familienoberhaupt jeder unterstützten Familie ins Büro von Najdeh, um zu beweisen, dass sie noch in Shatila leben und damit Anrecht auf die Unterstützung haben. Erst dann wird die Debitkarte erneut aufgeladen.

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Im Gegensatz zur Hilfe mit Gutscheinen können die Flüchtlingsfamilien, die vom Cash-Assistance-Projekt profitieren, selbst entscheiden, was sie am dringendsten benötigen und wofür sie das Geld ausgeben möchten. Die meisten Begünstigten zahlen mit dem Geld Nahrungsmittel, Medikamente oder einen Teil der Miete.

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Kein ausweg in sicht

Viele der Familien träumen davon, eines Tages nach Syrien zurück zu kehren, denn im Libanon sehen sie keine Zukunft für sich und ihre Kinder. Solange sich die politische Situation in ihrem Heimatland jedoch nicht ändert, sitzen sie im Libanon fest und sind auf die Unterstützung von Organisationen wie dem HEKS und der Glückskette angewiesen.

Wir danken Ihnen für Ihre Spende.

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Footnote: Text und Fotos: © Claudia Blaser/Glückskette
Shatila-Flüchtlingslager, Hourch, Gouvernement Beirut, Libanon
Vielen Dank für Ihre Spende