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ASTHA: EIN LEBEN NACH SEXUELLER AUSBEUTUNG

Ein Projekt von Terre des hommes - Kinderhilfe für Jugendliche in Nepal

Story by Glückskette December 3rd, 2015

«Jeder Rappen zählt» sammelt dieses Jahr für Jugendliche in Not. Seit dem Erdbeben vom 25. April 2015, das 9000 Tote gefordert und 600’000 Menschen obdachlos gemacht hat, ist laut den nepalesischen Behörden das Risiko von sexueller Ausbeutung und Menschenhandel für Kinder und Jugendliche massiv gestiegen – trotz verstärkter Kontrollen an den entscheidenden Orten in Kathmandu. Die Menschenhändler wissen junge Menschen, die alles verloren haben, nur zu gut davon zu überzeugen, dass das Leben anderswo besser ist. Das Schweizer Hilfswerk Terre des hommes – Kinderhilfe hilft den Opfern und leistet Präventionsarbeit. Wir haben Astha getroffen, der letztes Jahr der Ausbeutung entkommen ist.

Astha, der heute 18 Jahre alt ist, erzählt in Begleitung einer Sozialarbeiterin seine schwierige Geschichte. Fotografiert werden will er dabei nicht. Nach dem Tod seines Vaters verliess der junge Mann sein Dorf am Fusse des Himalayas und zog mit zwölf Jahren mit seiner Mutter und seinen Schwestern nach Kathmandu. Er schaffte es aber nie, sich in der Schule zu integrieren.

«Meine Kameraden lachten immer über mich, weil sie mich zu feminin fanden», gibt er zu. «Das war ich auch. Ich habe es geliebt – und liebe es immer noch – Frauenkleider anzuziehen und zu tanzen.» Astha brach die Schule ab und arbeitete stattdessen in einem Kleiderladen. Eines Tages sagte ihm ein Kollege, wenn ihm Männer gefallen, kenne er einen Ort, wo er diese treffen könne.

Dieser Ort ist ein heruntergekommener Waldpark, wo sich Männer nach Anbruch der Dunkelheit auf der Suche nach jungen Männern herumtreiben. Ihr Gesicht verdecken sie dabei meist mit einem Mundschutz. Ein unvorsichtiger Besucher wird zuerst von den schrillen Schreien von aggressiven Affen begrüsst und begegnet dann nicht selten den dunklen Gestalten.

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In diesem Waldpark machte Astha auf der Suche nach seiner Identität seine ersten homosexuellen Erfahrungen. Und er lernte, seine Dienste zum Marktpreis anzubieten. Da er keine wirkliche Alternative hatte, habe er sich wie in einer Falle gefühlt, erklärt er. «Zuerst hatte ich eher freundliche Kunden, dann folgte aber eine negative Erfahrung auf die andere. Ich habe mich in einem Netz von ausländischen Kunden – hauptsächlich Indern, aber auch westlichen Touristen – wiedergefunden.» Die Wende kam, als er einen Strassensozialarbeiter der Organisation SathSath, eines lokalen Partnerhilfswerks von Terre des hommes – Kinderhilfe, kennenlernte.

Dank psychologischer Unterstützung, einer buchhalterischen Grundausbildung und einer Starthilfe im Hinblick auf die wirtschaftliche Selbstständigkeit konnte Astha letztes Jahr seine eigene kleine Geflügelfarm aufbauen. «Heute kann ich davon leben», sagt er.

«Nach dem Erdbeben war zwar fast alles zerstört, aber es bleiben mir immer noch genügend Hühner für einen Neuanfang. Ich verdiene weniger als früher, aber ich bin glücklich. Jede Woche komme ich mit den anderen Jugendlichen und den Betreuern der Organisation zusammen. Mit ihnen kann ich mich austauschen und einfach ich selbst sein.»

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Auch Asthas Freund, der 18-jährige Reyhan (oben rechts), wurde von der Organisation SathSath im Waldpark angesprochen. «Ich hatte mich gerade von meinem Freund getrennt und war auf der Suche nach einem neuen», gibt er zu. Die Strassensozialarbeiter sind darin geschult, in den Waldparks und anderen Begegnungsorten für Homosexuelle die Jugendlichen auszumachen, die sich oft der Risiken nicht bewusst sind.

Ein weiterer Freund, der anonym bleiben möchte, erzählt von seiner beruflichen Wiedereingliederung und präsentiert stolz seine Hände. «Ich lerne gerade, das hier zu machen», erklärt er und zeigt seine lackierten und dekorierten Fingernägel. «Dank der Organisation konnte ich eine Ausbildung in einem Schönheitssalon machen, wo ich gelernt habe zu schminken und Hochzeitsfrisuren zu machen. Aber die Manicure ist besser bezahlt. Ich verdiene 100 Rupien (1 Dollar) pro Fingernagel – und es macht mir mehr Spass.»

Dank vier von Terre des hommes – Kinderhilfe unterstützten Hilfswerken wie SathSath konnten innert drei Jahren 825 Jugendliche, davon 67 Jungen, der Prostitution und Ausbeutung entkommen.

Spenden Sie jetzt für «Jeder Rappen zählt» und ermöglichen Sie jungen Menschen wie Astha und seinen Freunden eine zweite Chance.

Footnote: Text: Sophie Balbo/Glückskette, Fotos: Tdh, Sajana Shrestha
Nepal
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