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70 Jahre Glückskette

Infodossier

Story by Glückskette September 15th, 2016

Geschichte der Glückskette

«Y’a du bonheur pour tout le monde» – Das Glück ist für alle da! Mit einem Lied, dem Bedürfnis etwas gegen das Leid nach dem Zweiten Weltkrieg zu unternehmen und ganz viel Engagement startet 1946 in Lausanne die Geschichte der Glückskette. Der Radiomacher Roger Nordmann und der Entertainer Jack Rollan sind die Gründerväter unserer 70-jährigen Erfolgsgeschichte.

Mit ihrem ersten Aufruf am 26. September 1946 über Radio Sottens (heute RTS) wollten sie den vom Krieg geschädigten Kindern helfen. Bald darauf entstand ihre eigene Radiosendung: die «Chaîne du Bonheur», auf Deutsch «Glückskette», denn wer einen Wunsch am besten realisieren konnte, durfte die nächste gute Tat vorschlagen. Zu Beginn sammelte die Glückskette Sachspenden – und wurde komplett mit Paketen und Hilfsgütern überschwemmt.

Von der Radiosendung zum Geldgeber
Heute sammeln wir keine Sachspenden mehr sondern Geld. Mit dem gesammelten Geld finanzieren wir Hilfsprojekte unserer 25 Partnerhilfswerke. Ein Grossteil der Projekte dient dem Wiederaufbau nach Erdbeben, Wirbelstürmen oder anderen Naturkatastrophen. Immer wieder sammeln wir aber auch für Opfer von Kriegen und Konflikten und engagieren uns für das Wohlbefinden von Kindern.

Auch in der Schweiz helfen wir Menschen, denen es nicht so gut geht. Sei es, weil sie in eine finanzielle Notlage gelangt sind (Sozialhilfe) oder weil ein Unwetter ihr Hab und Gut zerstört hat (Unwetterhilfe).

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Die solidarische Schweiz
Der Gründer-Gedanke der Solidarität mit Opfern von Katastrophen, sei es in der Schweiz oder im Ausland, treibt uns auch heute noch an. Mit unserer Partnerin, der SRG, haben wir in den letzten 70 Jahren rund 190 Mal einen Spendenaufruf für die Opfer von Naturkatastrophen und Konflikten über Radio und Fernsehen verbreitet. Jedes Mal – besonders an nationalen Sammeltagen – lösen die Aufrufe eine wahre Welle der Solidarität quer durch die Schweiz aus.

Die solidarische Schweiz für die wir stehen, ist nur dank der grosszügigen Unterstützung der Schweizer Bevölkerung und dank starken Partnerschaften mit der SRG, Swisscom, Privatradios, Medien und selbstverständlich unseren operationellen Partnern, den Hilfswerken, möglich.

Unsere Gründer waren in erster Linie Radiomacher mit einem grossen Herz. Heute sind wir der grösste private Schweizer Geldgeber für humanitäre Hilfe. Seit über 30 Jahren sind wir eine unabhängige Stiftung und der humanitäre Arm der SRG.

Glückskette international

Nachdem 1946 die Glückskette in Lausanne gestartet ist, wurde sie 1948 nicht nur von Radio Beromünster in der Deutschschweiz und Radio Monte Ceneri in der italienischen Schweiz übernommen, sondern aus dem Radiokettenbrief wurde eine internationale Sendung. Am 23. Dezember 1948 sammelte diese für kriegsgeschädigte Kinder.

Nebst den drei Schweizer Radiosendern schlossen sich die Sender von Paris, Triest, Wien, Monte Carlo und der Südwestfunk Baden-Baden der Aktion an. 1948 fanden sogar Verhandlungen mit amerikanischen Vertretern für eine interkontinentale Glückskette statt.

Emergency Appeals Alliance
Bis 1951 wurden mehrere Sammlungen von der internationalen Glückskette durchgeführt. Schätzungsweise erreichten diese internationalen Aufrufe im Jahr 1949 rund 250 Millionen Höhrer. Ab 1951 funktionierten und sammelten wir mehrere Jahrzehnte alleine. 2008 haben wir uns erneut mit Organisationen zusammengeschlossen, welche in ihren Strukturen und ihrer Funktionsweise der Glückskette ähnlich sind. Es sind dies neun Organisationen aus Belgien, Deutschland, Grossbritannien, Holland, Italien, Japan, Kanada, Schweden und Österreich.

Ziel dieser Vereinigung ist es, Erfahrungen und Erkenntnisse aus nationalen und gemeinsam lancierten Spendenaufrufen zu teilen und gemeinsam mehr Verhandlungsstärke zu erhalten.

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Der humanitäre Arm der SRG

Die Glückskette wurde von einem Journalisten und einem Entertainer des Radios Lausanne (Radio Sottens) gegründet. Zu Beginn waren wir also Radiosendung und Sammelplattform in einem. Ab 1954 wurden die wöchentlichen Sendungen dann eingestellt und wir sammeln auch heute nur dann, wenn es zu grossen Katastrophen kommt oder die Ereignisse es erfordern.

Ein Kind der SRG

Während 37 Jahren waren wir ein Teil der SRG SSR. Im Laufe der Zeit gab es immer mehr Sammlungen und die Zusammenarbeit mit den Partnerhilfswerken wurde immer komplexer. Es brauchte professionellere Strukturen, um mit dem Wandel mitzuhalten. Dies erkannte auch der damalige SRG-Generaldirektor Leo Schürmann, der uns im Jahr 1983 in die Unabhängigkeit entliess. Seit 33 Jahren sind wir eine unabhängige Stiftung. Trotzdem sind wir aber immer noch sehr eng mit der SRG verknüpft, wir sind sozusagen der humanitäre Arm der SRG.

An einem Sammeltag stellen Radio und Fernsehen SRF , RTS, RSI und RTR eine Grossteil ihrer Programm in den Dienst der Glückskette. Auch die Fernsehsender beteiligen sich am Aufruf und berichten über die jeweilige Katastrophe, die Sammelzentralen und den aktuellen Spendenstand.

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SRG und Glückskette heute
Wie eng die Verbindung von SRG und Glückskette auch heute noch ist, zeigt ein Blick auf die Leitungsgremien. Unsere Präsidentin Ladina Heimgartner ist auch Direktorin von RTR und im Stiftungsrat sind sechs von 12 Mitgliedern SRG-Vertreterinnen und -Vertreter.

Auch wenn die wöchentliche Glückskette-Sendung 1954 eingestellt wurde, finden wir immer noch regelmässig am Radio statt.

Die Stimmen der Glückskette
Während vieler Jahren war die Sendung «Glückskette aktuell» ein fixer Bestandteil des Sonntags der SRF 1-Hörerinnen und Hörer. Zuerst Roland Jeanneret und dann Ladina Spiess, die Stimme der Glückskette in der Deutschschweiz, berichteten darin über die Verwendung der Spendengelder und direkt aus den betroffenen Gebieten.

Seit Anfang Juni 2015 wird die wöchentliche Sendung durch mehrere Doppelpunkt-Sendungen pro Jahr ersetzt.

Jean-Marc Richard ist die Stimme der Glückskette in der Romandie und berichtet in seinen Sendungen häufig über uns und unsere Arbeit. Dasselbe tun auch Claudia Cathomen für RTR und Carla Norghauer für RSI.

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Unterstützung durch die privaten Medien

Nebst der engen Verbindung zur SRG hegen wir enge Beziehungen zu den privaten Medien. Einige unterstützen uns sehr stark bei unseren Sammelaufrufen. In der Deutschschweiz und in der Romandie haben sich mehrere Privatradios in einem Verein organisiert, um die Glückskette bei Sammeltagen zu unterstützen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Themensetzung der Medien. Eine Krise oder Katastrophe, die medial nicht stattfindet, berührt die Menschen kaum. Wir sind also auf die mediale Berichterstattung über eine Katastrophe, die Opfer und die Auswirkungen auf deren Leben angewiesen.

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Kritik als Antrieb

Die Glückskette geniesst grundsätzlich einen guten Ruf bei den Medien. Hinweise zu Sammeltagen übernehmen die Medien häufig, was zu unserer enormen Bekanntheit beiträgt.

Immer wieder aber schauen die Medien ganz genau hin und hinterfragen unsere Arbeit. Die wohl einschneidendste Medienkritik kam kurz nach dem Schritt in die Unabhängigkeit. So titelte 1984 «L’Hebdo», ein Westschweizer Wochenmagazin,

«Où va l’argent de la Chaîne du Bonheur?»

Eine Zeit der Veränderung
Als Teil der SRG bis 1983 hatten den Spenderinnen und Spendern vorwiegend über Radio- und Fernsehsendungen Rechenschaft darüber abgelegt, wie wir die Spenden einsetzten. Der erste offizielle Jahresbericht wurde für das Jahr 1983 publiziert.

Diese massive Kritik an der Führung der Glückskette, wenn aus interner Sicht auch ungerechtfertigt, traf uns in einer Zeit des Umbruches. Im Rahmen der erlangten Unabhängigkeit wurden neue Strukturen geschaffen. Dies führte dazu, dass in der Folge dieser Ereignisse ein neues Team die Führung der Glückskette übernahm.

Transparenz als Credo
Heute legen wir über jedes mitfinanzierte Projekt Rechenschaft ab. Die Spenderinnen und Spender vertrauen uns ihr Geld an und wünschen, dass wir es effektiv und effizient zum Wohl der notleidenden Menschen, für die sie gespendet haben, einsetzen. Deshalb informieren wir über unsere Internetseite, den Jahresbericht, unseren E-Newsletter sowie Facebook und Twitter laufend über den Einsatz der Spendengelder.

Name und Logo Glückskette, damals und heute

Es war ein Kettenbrief, der zur Idee der Glückskette geführt hat. Der Kettenbrief landete zwar im Abfall, aber die Idee wurde für das Radio adaptiert: Wer einen Wunsch besonders gut erfüllen konnte, durfte die nächste gute Tat vorschlagen. Es sollte eine Kette des Glücks werden, die nie unterbrochen wird.

Unsere Art zu arbeiten, hat sich in den letzten 70 Jahren gewandelt und an die Gegebenheiten der modernen humanitären Hilfe angepasst. Aus ursprünglich zwei und kurz darauf vier operationellen Partnern wurden zwischenzeitlich bis zu 30. Heute arbeiten wir mit 25 Partnerhilfswerken.

Das Logo repräsentierte deshalb in den Anfängen zwei Glieder einer Kette, die ineinander verschlungen sind.

Aus der Kette wird die Solidarische Schweiz
Als wir 2013 unseren visuellen Auftritt auffrischten, ergänzten wir den Namen Glückskette mit dem Slogan «die solidarische Schweiz» und unterzogen auch das Logo einem Wandel. Das neue Logo behält die Idee der Glieder einer Kette bei und illustriert mit seinen zwei ineinander verschlungenen «S» die «solidarische Schweiz». Und so verstehen wir uns heute. Denn die Welle der Solidarität, welche die Schweizer Bevölkerung an nationalen Sammeltagen mit den Opfern von Katastrophen erfasst, ist einzigartig und macht uns seit den Anfängen aus.

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Die operationellen Partner der Glückskette

Um die vielen Sachspenden zu den Bedürftigen zu bringen, brauchte die Glückskette unbedingt humanitäre Partner, denn ein Radio ist schliesslich kein Hilfswerk. Partner der ersten Stunde war das Schweizerische Rote Kreuz. Bald stiessen HEKS und Caritas und etwas später auch das Schweizerische Arbeiterhilfswerk (heute Solidar Suisse) dazu.

Zwischen 1946 und 1982 wurden die Spenden jeweils nach einem Verteilschlüssel aufgeteilt: Schweizerisches Rotes Kreuz, Caritas und HEKS erhielten je 25 %, das Schweizerische Arbeiterhilfswerk 10 % und die restlichen 15 % konnten vom Direktor für kleinere Hilfswerke eingesetzt werden.

Erst mit der Unabhängigkeit kamen weitere Partner hinzu, zwischenzeitlich waren es über 30, heute sind es derer 25. Auch die Art und Weise wie das Geld verteilt wird, hat sich massiv geändert. Alle Hilfswerke müssen für jedes Projekt einen Antrag einreichen, der von der Projektabteilung und der Projektkommission begutachtet und analysiert wird.

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Ein glückliches Händchen für Finanzen?

Wenn wir nach einer Katastrophe zu Spenden aufrufen, erhalten wir bis zu dreistellige Millionenbeträge. Die grösste Sammlung unserer Geschichte war für die Opfer des Tsunamis mit 227 Millionen Franken Spenden, die zweitgrösste für Haiti mit 66 Millionen Franken Spenden. Diese riesigen Summen führen bei den Spendern und Medien schnell zu kritischen Fragen; wie etwa, ob wir auf Bergen von Geld sässen oder es sogar an der Börse verzockten?

Häppchenweise auszahlen
Weil wir einerseits einen grossen Teil des Geldes in längerfristige Projekte, wie den Wiederaufbau, investieren und gleichzeitig über ein ausgeklügeltes Kontrollsystem verfügen, bezahlen wir die Gelder tranchenweise aus. Für jedes akzeptierte Projekt bezahlen wir einen Teil der Projektkosten am Anfang, einen Teil nach erfolgreichem Vorweisen von Zwischenresultaten und den Rest am Schluss, wenn wir den Schlussbericht erhalten haben.

Das Geld soll arbeiten
Da wir also zum Beispiel die 66 Millionen Franken für die Erdbebenopfer in Haiti über mehrere Jahre ausgeben, ist es sinnvoll, dass das Geld in der Zwischenzeit arbeitet. Deshalb legen wir es sehr konservativ an. Mit dem erwirtschafteten Gewinn konnten wir, seitdem wir eine Stiftung sind (1983) fast immer unsere Betriebskosten decken. Und sogar noch mehr als das: In den letzten 30 Jahren konnten wir einen Gewinnüberschuss von rund 7 Millionen Franken erwirtschaften.

Einzig in den Jahren 2001, 2002, 2008 und 2010 war die Lage an den Finanzmärkten nicht sehr rosig und wir erwirtschafteten einen Verlust. Dies gab gerade in den Medien sehr viel zu reden, auch wenn es sich um vier von 33 Mal handelt.

Vorsicht statt Nachsicht
Die Zeiten sind in finanzieller Hinsicht sehr viel unsicherer geworden und wir können nicht mehr darauf vertrauen, genug Zinsen zu erwirtschaften, um damit unsere Betriebskosten decken zu können. Deshalb hat der Stiftungsrat entschieden, einen Reservefonds anzulegen, in dem sich zur Zeit rund 9 Millionen Franken befinden. Der Reservefonds setzt sich aus Gewinnüberschüssen und Resten von Spendenfonds zusammen.

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Die grössten Sammlungen

• 227 Millionen CHF: Tsunami Südostasien (Dezemer 2004)
• 74 Millionen CHF: Unwetter in der Schweiz (Wallis und Tessin, Oktober 2000)
• 66,7 Millionen CHF: Erdbeben Haiti (Januar 2010)
• 51,5 Millionen CHF: Opfer des Syrienkonfliktes/Flüchtlinge (August 2012 – 2016)
• 49,9 Millionen CHF: Kriegsopfer im Kosovo (April 1999)
• 49,5 Millionen CHF: Unwetter in der Schweiz (Zentralschweiz, Berner Oberland und Graubünden, August 2005)
• 42,4 Millionen CHF: Taifun Haiyan auf den Philippinen (November 2013)
• 42,2 Millionen CHF: Überschwemmungen Pakistan (August 2010)
• 32,2 Millionen CHF: Erdbeben in Nepal (Mai 2015)

Zahlen

Spende

In 70 Jahren haben wir Spenden in der Höhe von 1,7 Milliarden CHF erhalten (inklusive geschätzte Sachspenden)

Spendenaufrufe

In den letzten 70 Jahren haben wir für die Opfer von mehr als 190 Katastrophen im In- und Ausland gesammelt

Projekte international

In 70 Jahren haben wir rund 3’500 internationale Projekte finanziert

Sozialhilfe Schweiz

Seit 1946, erst über Sachspenden, später in Geldform
Seit der Stiftungsgründung (1983) haben wir 38,7 Millionen Franken an Sozialhilfe ausbezahlt und damit rund 100’000 Menschen in der Schweiz geholfen.

Unwetterhilfe Schweiz

In den letzten 70 Jahren haben wir mit 209 Millionen Franken Spenden Unwettergeschädigte in der Schweiz unterstützt

Weitere reportagen zum thema

• Das Glück ist für alle da – Rückblick auf 70 Jahre Glückskette: http://reportagen.glueckskette.ch/das-glueck-ist-fuer-alle-da

• Anekdoten aus 70 Jahren Glückskette: http://reportagen.glueckskette.ch/anekdoten